Des Markgräflers liebstes Kind.
Und was es nicht alles für Namen hat!

 

Moster, Terravin, Perlan, Wälscher, Junker, Silberling, Frauentraube, Schönedel, Krachmost, Fendant, Dorin, Marzemina bianca, Tribianco tedesco, tribi vognoble, Fehér gyöngyszölö, Royal Muscadine, Queen Victoria, Chasselas ...

 

Soviel Patriotismus muss sein: Wie er auch heißt, wo er auch wächst – nirgendwo gedeiht der Gutedel besser als im Markgräflerland! Nirgendwo findet er bessere klimatische Bedingungen. Durch die Burgundische Pforte strömt schon früh im Jahr die warme Mittelmeerluft in die oberrheinische Ebene, trocken-heiße Hochsommertage werden von kühlen Nachtwinden des Schwarzwaldes gelockert, nirgendwo scheint die Sonne mehr als bei uns im äußersten Südwesten. Und dann die tiefgründigen, fruchtbaren Böden ...

Als Markgraf Karl-Friedrich von Baden die Gutedel-Rebe um 1780 vom schweizerischen Vevey am Genfersee mit nach Baden brachte, da lag bereits eine Jahrtausende währende Geschichte hinter ihr – der Gutedel ist eine der ältesten Rebsorten der Menschheit. Seinen Ursprung hat er in Ägypten, seit mehr als 5000 Jahren wird er dort angebaut. Gutedelreben sind noch heute südwestlich von Kairo in der Oase Fayyum zu finden. Über Konstantinopel gelangte er schließlich ins burgundische Chasselas, südwestlich von Mâcon. Und von da – dem Markgrafen sei Dank – zu uns.

Die Blätter des Gutedels sind mittelgroß, hellgrün, rotgeadert, stark fünflappig und haben einen stumpf gezahnten Rand. Das Holz ist rötlichbraun, deutlich gestreift und dunkel gefleckt. Die Trauben sind groß und lockerbeerig mit zarter Haut. Der Gutedel ist die schönste Tafeltraube. Wir trinken ihn lieber.

Als Wein brilliert der Gutedel durch Frische und Leichtigkeit, trocken ausgebaut ist er ein überaus anregender, hochbekömmlicher Weißwein – zu trinken wie die selige Madame Lily Bollinger ihren Champagner trank: Allein und in Gesellschaft, froh und traurig, hungrig und bei Appetitlosigkeit sowie – ganz allgemein – bei Durst.

 

 

 

Prof. Dr. Gesine Schwan und
Prof. Dr. Peter Eigen,
Gutedelpreis 2006

 
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