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1997 |
Klaus Huber, Buddy Sacher und Peter Wilmanns sind Meister der Zwischentöne, poetische Dompteure des Irrsinns, schrullige Melancholiker von virtuoser Musikalität. Ihre Originalität, ihr schier unendlicher Erfindungsreichtum und ihr perfektes Gespür für menschliche Absurdität und die Poesie des Grotesken macht die Träger von Deutschem Kleinkunstpreis und Prix Pantheon zum Dreimannbollwerk gegen die Flach- und Dummheiten der unentrinnbaren Quatsch-Comedy-Flut.
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1999 |
Dem Regisseur Didi Danquart gelingt es mit seiner Kino-Adaption von Strittmatters „Viehjud Levi“ ohne aufdringliche Klischees und mit fast lakonischer Leichtigkeit durch die Sogkraft seiner Bilder ein tief ergreifendes Lehrstück über emotionale Begrenztheit, Passivität und Anpassung zu erzählen. Der Mensch Didi Danquart richtet sich niemals im Gemütlichen ein, trotz Spannungen und Krisen steckt er voller Energie, verausgabt sich widerspenstig und bleibt sehnsüchtig auf der Suche nach dem Blick hinter die Fassaden und dem anderen, leidenschaftlichen Leben.
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2006 |
Der Jurist Peter Eigen hatte sich als Weltbank-Manager in Afrika und Lateinamerika lange Jahre mit Entwicklungspolitik und wirtschaftlicher Zusammenarbeit befasst, bevor ihm Anfang der 90er Jahre die Sinnlosigkeit seines Tuns vor dem Hintergrund der verheerenden Folgen von Korruption und Misswirtschaft zunehmend bewusst wurde. Anders als andere zog er persönliche Konsequenzen. Eigen verließ die Weltbank und gründete 1992 „Transparency International“ mit dem Ziel, Transparenz und Verantwortlichkeit in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit zu befördern.
Inzwischen ist „Transparency International“ eine der zehn größten NGOs weltweit. Mehr als 100 nationale Sektionen, Anti-Korruptionsgesetze in 35 OECD-Staaten und die Unterschrift von 134 Ländern unter die von „Transparency International“ initiierte Anti-Korruptions-Konvention der UN sind beeindruckende Beweise dafür, dass es der Organisation fast im Alleingang gelungen ist, das ehemals tabuisierte Thema Korruption international auf die Tagesordnung zu setzen.
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2001 |
Mit seinem Buch „Die Suppe lügt. Die schöne neue Welt des Essens“ hat der Journalist Hans-Ulrich Grimm einen ebenso fundiert recherchierten wie furchterregenden Bericht aus den Horrorkabinetten der Nahrungsmittelchemiker und Geschmacks-Designer vorgelegt. Auf dem Weg zur vollsynthetischen Ernährung verliert der wohlstandssatte Teil der Menschheit mit zunehmender Beschleunigung jedes Empfinden für natürliche Aromen und echten Geschmack. Ob Brötchen, Babybrei oder Bratwurst: kaum etwas wird gegessen, ohne dass die Kartelle der Aromaproduzenten mitwürzen. Die Risiken kennt niemand. Wer sich der weltmächtigen Sinnestäuscher und des ganz normalen Wahnsinns des Kleingedruckten erwehren will, der braucht solide Information und Aufklärung. Hans-Ulrich Grimm liefert sie.
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2003 |
„Haltung“, so der Gutedelpreis-Laudator Georg Schramm, „ist ein Begriff, den man heute nur noch aus der Krankengymnastik kennt.“ Auch nach über fünfzig Jahren im kabarettistischen Geschäft, nach mehr als 20 Jahren allein beim „Scheibenwischer“, hat Dieter Hildebrandt an Haltung keinen Zoll eingebüßt. Sein unerschütterlicher Glaube an die Vernunft und seine unstillbare Lust, den Menschen auf ihrem finsteren Weg aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit hie und da ein Lichtlein anzuzünden, hat niemals nachgelassen. Mit seinen scharfsinnigen Beobachtungen hat Dieter Hildebrandt nicht weniger als Kulturgeschichte geschrieben.
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2002 |
Der Passauer Kabarettist, Schriftsteller, Dokumentarfilmer und Fotograf Rudolf Klaffenböck ist ein bekennender Querdenker, ein wortwörtlicher Grenzgänger. Bekannt geworden als Kabarettpartner von Bruno Jonas und Sigi Zimmerschied hat er sich Mitte der neunziger Jahre dreizehnhundert Kilometer entlag der ehemaligen Ostblockgrenze erwandert, Tagebuch geschrieben, fotografiert, Geräusche gesammelt. Wie ein einsamer Wolf zog er durch die Lande, hielt seine Eindrücke mit scharfem Blick, Tiefsinn und leisem Humor im Buch „Grenzgehen“ fest.
„Er zeigt Schwarzweiß-Aufnahmen von Grenzschildern, Buswartehäuschen, von Betten, von Wirtshäusern, von Menschen, von Straßenmarkierungen. Na und? Es ist unglaublich, aber dagegen sind die Malediven zum Gähnen. ... Diese Erkenntnis ist Klaffenböcks Geschenk: Die wahren Abenteuer sind im Kopf, und sind sie da nicht, sind sie nirgendwo. Da kannst Du auf die Malediven und nach Abi Dhabi fliegen und fahren, so lange Du willst.“ (Süddeutsche Zeitung)
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2007 |
Glaubensdinge eignen sich nicht für weltliche Ehrungen. Wohl aber der Umgang mit ihnen. Zweifellos gibt es einfachere Wirkungsfelder für eigensinnige Menschen als das der katholischen Kirche. Ebenso so sicher ist aber auch, dass Eigensinn erst dann zur vollen Blüte gelangt, wenn er sich Raum erkämpfen und innere wie äußere Blockaden überwinden muss. Karl Kardinal Lehmann steht auf dem Fundament seines Glaubens im Spannungsfeld zwischen den Strukturen seiner Kirche und den Herausforderungen der modernen Lebenswirklichkeit. Er hat es sich dabei nie leicht gemacht. Er hat sich nicht in den bequemen Winkel der eigenen Überzeugung zurückgezogen. Er befindet sich in permanenter Diskussion mit der Welt und seiner Kirche darin. Einfache Antworten sind von ihm nicht zu haben. Um die heißen Eisen – Sexualethik, Zölibat, Ökumene, Frauenordination – hat er nie einen Bogen gemacht. Schärfe in der Analyse, Maß im Urteil und die Bereitschaft zum Kompromiss zeichnen Kardinal Lehmann ebenso aus wie der Wille, sich vor heiklen Fragen weder ins Apodiktische noch ins Aphoristische zu flüchten. Lehmann scheut als glänzender Philosoph und Theologe niemals die Mühsal der gründlichen Beweisführung, spricht statt zu predigen und ist über die Jahre ein Mensch geblieben, der zuhören kann und zuhören will.
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2009 |
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2000 |
„Ich ... heiße ... Erwin ... Lindemann, bin Rentner und 66 Jahre ... mit meinem Lottogewinn von 500.000 D-Mark mache ich erst mal eine Reise nach Island ... dann fahre ich mit meiner Tochter nach Rom und besuche eine Papstaudienz ... und im Herbst eröffne ich dann in Wuppertal eine Herren-Boutique.“
Der Schauspieler Heinz Meier gehört zum unvergänglichen Loriot-Universum wie Evelyn Hamann oder der Kosakenzipfel. Den Gutedelpreis erhält er jedoch weder für „Mutters Klavier“ noch für die „Kalbshaxe Florida“. Die Auszeichnung gilt seinem jahrzehntelangen kulturellen Engagement für die Region. Mit seinem Freiburger Wallgraben-Theater – 1953 mit acht selbst gezimmerten Holzbänken und zwei Scheinwerfern aus alten Marmeladeeimern als eines der ersten Privattheater Deutschlands gegründet – hat er sich seinen Lebenstraum erfüllt. Hier lebt er sein Ideal, auf der eigenen Bühne Menschen zusammenzubringen, die ihre künstlerische Freiheit zu nutzen bereit sind, und die die Chance ergreifen wollen, mutig zu sein. Wer es mit der regionalen Kultur ernst meint, der muss seine regionalen Künstler ehren.
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1995 |
Manchmal braucht es nicht viele Worte: Georg Schramm ist das Beste, was das politische Kabarett deutscher Sprache zur Zeit zu bieten hat – zornig, wortgewaltig, radikal. Dazu tödlich pointensicher und von schauspielerischer Brillanz.
„Georg Schramm, der große Moralist und Humanist, gibt dem Kabarett zurück, was ihm die Comedy gestohlen hat: Brennende Relevanz.“ Die Welt
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2007 |
Gesine Schwan wurde der Gutedelpreis für ihre erste Kanditatur um das Amt der Bundespräsidentin zuerkannt. Bis zum März 2004 war sie den meisten Deutschen völlig unbekannt. Das änderte sich mit ihrer Nominierung innerhalb weniger Wochen schlagartig. Die knappe Zeit, die ihr blieb, den Deutschen ein Begriff zu werden, hat sie genutzt wie niemand vor ihr. Dazu bedurfte sie keiner PR-Strategie, keines Werbefeldzuges. Gesine Schwan sprach von Vertrauen als Voraussetzung für Freiheit, vom Vertrauen der Bürger in die demokratischen Institutionen. Wie kann man es erhalten, wenn die Globalisierung droht und die Angst vor sozialem Abstieg umgeht? In Zeiten, da die Menschen von Zweifeln ergriffen und das Land von Ängsten gelähmt erscheint, hat Gesine Schwan Säle mit Menschen gefüllt, die nichts, als ihr aufmerksam zuhören wollten. Sie hat gezeigt, dass die entscheidende Voraussetzung für das Vertrauen in Institutionen immer noch das schlichte Vertrauen in einzelne Personen ist. Man bringt es ihr entgegen, weil sie meint, was sie sagt; weil sie ohne Vorbehalte spricht; weil sie ihr Gegenüber tatsächlich ernst nimmt. Sie hat, was oft schmerzlich vermisst wird: Charisma.
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1996 |
Wer hierzulande das Essen nicht nur als lästigen Urtrieb ansieht, den es mittels Tiefkühlpizza und Tütensuppe möglichst effizient zu bekämpfen gilt, der kommt an Wolfram Siebeck nicht vorbei. Als „Adorno des Schneebesens“ hat er für seinen Kampf um die Verfeinerung der kulinarischen Sitten in den letzten vier Jahrzehnten rund 45 Bücher sowie ungezählte Artikel veröffentlicht. Wolfram Siebeck stand an der Wiege der gastronomischen Emanzipation dieses Landes. Auch dank seiner scharf zugespitzten Feder kam der Kochlöffel in Deutschland zu Glanz und Geltung. Dabei hat sich Wolfram Siebeck nicht nur kulinarisch, sondern auch gesellschaftlich und kulturell verdient gemacht.
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1998 |
Dr. Michael Sladek und seine Frau Ursula sind im Wortsinne Weltverbesserer. Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 beschlossen sie gemeinsam mit weiteren Bürgern ihrer kleinen Schwarzwaldgemeinde Schönau, die Frage nachhaltiger und sicherer Energieerzeugung in die eigene Hand zu nehmen. Sie schlossen sich in der Initiative „Eltern für atomfreie Zukunft“ zusammen, gründeten ein bürgereigenes, in erster Linie ökologischen Zielsetzungen verpflichtetes Energieversorgungsunternehmen und übernahmen 1997 nach harten Kämpfen und zwei Bürgerentscheiden das lokale Stromnetz. Diese Pioniertat der „Schönauer Stromrebellen“ hat inzwischen bundesweit zahlreiche Nachahmer gefunden. Ursula und Michael Sladek haben mit ihrem tragfähigen „Schönauer Modell“ gezeigt, dass eine atomstromfreie, klimafreundliche und nachhaltige Energiezukunft keine Frage abstrakter globalpolitischer Erörterungen bleiben muss.
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2008 |
BILDblog, im Juni 2004 von Stefan Niggemeier und Christoph Schultheis gegründet, gehört zur Avantgarde der Medienkritik im Internet. In akribischer Kleinarbeit und mit Ironie nimmt es tagesaktuell sachliche Fehler, Irreführendes, bewusst Sinnentstellendes oder Persönlichkeitsrechtsverletzungen in der Berichterstattung von BILD, BamS und Bild.de aufs Korn. Es will auf der Basis verlässlicher Gegen-Recherchen die kleinen Merkwürdigkeiten und das große Schlimme, das Selbstverständnis von Europas größter Zeitung ganz allgemein und ihre Wirkung auf andere Medien transparent machen. Heute wird BILDblog von 40.000 Menschen täglich gelesen. Mit dem Gutedelpreis für Stefan Niggemeier und Christoph Schultheis würdigt die Gutedelgesellschaft einen ebenso wichtigen wie erfolgreichen Beitrag zur Entwicklung einer Gegenöffentlichkeit im Internet.
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2004 |
Monica Thommy-Kneschaurek und Dominique Thommy haben mit ihrem Teufelhof am Basler Heuberg ein sinnliches Refugium von hohem Rang geschaffen. Gastronomie, bildende und darstellende Kunst gehen dort eine symbiotische Verbindung ein. Wer verstehen will, warum der Teufelhof gutedelpreiswürdig ist – der muss ihn erleben.
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